Alter Versuch

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"Lyrania! Lyrania! Wo steckt dieses Kind nur wieder." wütend stapfte Wolfram durch die trutzige Burg. Er bog um die Ecke auf dem Weg nach draußen, als er plötzlich fast mit einer jungen Frau zusammenstieß. Diese konnte dem Zusammenstoß knapp entgehen und verbeugte sich förmlich, wobei ihr langer Zopf aus rabenschwarzem Haar nach vorne über ihre Schulter fiel. "Herr, sucht ihr jemanden?" Einerseits besänftigt durch ihre unterwürfige Haltung aber andererseits unsicher, ob sie ihre Frage wirklich ernst meinte, da er ja eigentlich laut genug gewesen war, mustert Wolfram die junge Frau. Sie trug eine dunkelrote Robe, die die Blässe ihres Gesichts noch zu verstärken schien. Eine kaum fassbare Aura der Macht umgab diese Frau trotz ihrer Jugend, was Wolfram schon allein wütend machte, da er auf ihre Hilfe angewiesen war. Er blickte in ihr ruhiges Gesicht, und sagte "Ich bin auf der Suche nach meiner Tochter. Der Schneider, der ihr Kleid für das Belranfest fertigen soll, ist zur Anprobe erschienen. Eigentlich sollte sie doch bei Euch sein, Hexenmeisterin Ravn." Ravn stockte kurz, sehr zum Gefallen von Wolfram, ob seiner Anrede - eigentlich wurde sie hier am Hofe von allen nur Lady Ravn genannt. "Sie und die anderen haben ihre heutigen Aufgaben sehr schnell erledigt. Da heute der erste warme Tag im Frühling ist, entschloss ich mich, ihnen den Rest des Tages frei zu geben." sagte sie ruhig. Wolfram schnaubte unwillig. "Dann könnt Ihr ja auch dafür sorgen, dass sie in einer halben Stunde in der Halle erscheint. Ich habe wichtigere Dinge zu tun." sprachs und machte kehrt. Ernst blickte Ravn auf den etwas kleineren Wolfram herab: "Ihr wisst genau, dass man Ran - ich meine Lyrania, mit Magie nicht orten kann. Mir ist es immer noch nicht gelungen, herauszufinden warum, ich nehme aber langsam an, es gibt einen Zusammenhang damit, dass sie nicht fähig ist ihre Magie zu benutzen."

Wolfram drehte sich langsam wieder um, "Wollt Ihr wirklich mit diesem Thema anfangen, Lady Ravn? Nur wegen diesem Problem seid Ihr hier, und ich war bisher sehr geduldig mit Euch - ich habe sogar zugestimmt, dass meine Tochter zusammen mit den Burgkindern unterrichtet wird. Weil Ihr meintet, dass das hilfreich sein könnte. Bisher konnte ich allerdings keine Verbesserung erkennen - im Gegenteil, ich muß durch die Burg hinter meiner Tochter herlaufen!" Seine Stimme wurde immer leiser, bis sein letzter Satz mehr ein Flüstern war: "Überlegt Euch gut, ob Ihr es euch leisten könnt, meine Geduld so auf die Probe zu stellen." Lady Ravn wurde blass und verbeugte sich hastig "Ich werde sie sofort suchen, Herr!" Zufrieden, ihre Ruhe durchbrochen zu haben, machte er sich endgültig auf den Weg.

Ravn verbarg ihren kalten Zorn hinter einer weiteren Verbeugung und wartete bis er verschwunden war. Sie war ohnehin auf der Suche nach ihrer Tochter gewesen, also lenkte sie ihre Schritte wieder nach draußen und überlegte wo sich die Kinder wohl befinden mochten. Auf dem Burghof war von den Kindern nichts zu sehen und nichts zu hören. Sie hob ihre Roben etwas an, um sie nicht zu verschmutzen und ging Richtung Stall. Ran, wie Lyrania von all ihren Freunden genannt wurde, liebte es zu reiten. Genau wie ihre kleine Tochter, Alea die gemeinsam mit Ran und den anderen Kindern der Burg nun von ihr unterrichtet wurde, zumindest in den fortgeschrittenen Themen. Alea und Ran waren allerdings die einzigen, die Begabung zur Magie zeigten, weshalb sie, trotz ihres großen Altersunterschieds auch zusammen unterrichtet wurden. Alea war erst 5 Jahre alt, aber nahm die Magie mit einer Leichtigkeit an, die Ravn immer bewunderte, und von der sie hoffte, dass Ran sie vielleicht irgendwann annehmen konnte. Dafür, mußte sie zugeben, hatte Ran bei weitem das höhere Potential als Alea. Sie fragte sich wie so oft, seit sie vor einem halben Jahr hier angekommen war, ob die vorherigen Lehrer von Ran, unter anderem ihr Vater, an ihren Problemen mit der Magie Schuld waren, oder ob da noch andere Faktoren hinein spielten. Jedenfalls hatte sie das Gefühl, dass beide Kinder voneinander profitieren könnten. Wobei Ran mit ihren 14 Jahren eigentlich kein Kind mehr war. Vermutlich würden sich auf dem Frühjahsfest wieder einige Gefolgsleute Wolframs Hoffnungen machen, ihn eines Tages dank seiner Tochter zu beerben. Allerdings sah es im Moment nicht so aus, also wollte Wolfram seine Tochter schon verheiraten. Er schien noch andere Pläne mit ihr zu haben. Sie trat durch das weit geöffnete Stalltor und atmete den intensiven Pferdegeruch ein. Trell, der Stallbursche sah sie, und kam auf sie zu. "Seid gegrüßt Lady Ravn, wünscht Ihr auszureiten?" er verbeugte sich höflich. "Eigentlich bin ich auf der Suche nach meiner Tochter." sagte sie und sah sich suchend um. "Sie war hier, Mylady, zusammen mit den andren. Ham sich ein paar Pferde geliehen und wollten auf die Jagd gehen." Er zwinkerte "Ra- äh Lady Lyrania hat ihren Bogen dabei, ich hab ihr aber nochmal gesagt, daß sie nich so weit weg reiten solln."


Erklärungen Alea . Ravns kleine Tochter, ebenfalls magiebegabt Belranfest . großes Frühjahrsfest der Lyrania, genannt Ran . Tochter von Wolfram Ravn . Hofmagierin und Lehrmeisterin an Wolframs Hof Trell . Stallbursche an Wolframs Hof Wolfram . Clanführer der Besetzer Eth.Ionels